Dienstag, 23. Oktober 2012

BMW - Viva Brasil!


Raus aus dem kriselnden Europa, auf in die neue Welt: Anfang dieser Woche will BMW ein neues Werk in Südamerika ankündigen. Mehr als 200 Millionen Euro will der Münchner Auto-Konzern investieren
Von Thomas Fromm

München - Europa treibt ihn um in diesen Tagen. Europa, immer wieder Europa. 'Wir planen für das Beste und das Schlechteste', sagte BMW-Vertriebschef Ian Robertson neulich bei der Pariser Automesse. Und vergangene Woche, als der Autokonzern sein Ausstellungs- und Auslieferungszentrum BMW-Welt am Münchner Olympiapark feierte, war der Manager schon früh in die Halle gekommen. Wie denn so die Stimmung sei, wird er gefragt. 'Das Glas ist halb', sagt er da nur. Weder halb voll noch halb leer. Einfach nur: halb.

'Es ist gut möglich, dass die europäische Krise in den nächsten Monaten schlimmer werden wird', sagt er. Erst 2014, vielleicht auch erst 2015, könne sich die Lage wieder beruhigen. 'Europa müssen wir daher mit anderen Märkten ausbalancieren', sagt der BMW-Mann.

Die Sache mit dem Ausbalancieren, das ist es, was den Job in diesen Wochen noch internationaler macht als sonst. Robertson war in Damaskus, weil er genau wissen wollte, warum der syrische Markt nicht mehr funktioniert. Er war in der Türkei, um zu hören, was die Leute dort über Syrien sagen. Er will wissen, was in Italien los ist, warum der Automarkt dort immer mehr einbricht, zuletzt um bis zu 20 Prozent im Monat. Trifft IWF-Chefin Christine Lagarde zum Essen. Weiter nach China, Indien, den arabischen Raum. Und dazu die Wahlen in den USA. Mitt Romney oder Barack Obama? 'Die USA stehen vor großen Einschnitten, das kann uns auch betreffen', sagt Robertson. Zuletzt empfing der Manager spanische BMW-Händler in den Münchner Konzernbüros. Schwere Entscheidungen stehen an. 'Es ist klar, dass nicht alle Händler die Zukunft vor sich haben, die sie gerne erwarten', sagt er. Der Job des Konzernvertriebschefs ist eben nichts für sentimentale Typen. Das Geschäft ist hart, vor allem in Zeiten der Euro-Krise. Denn noch verdient BMW gut. Ob dies auch so bleibt, hängt auch von der Lage in Europa ab.

Es sind Tage, an denen der Automanager Robertson sein Geschäft neu denken muss. Tage, an denen es einen ganzen Konzern in neue Märkte treibt. Zum Beispiel nach  Brasilien. Ein Hoffnungsmarkt für eine angeschlagene Branche. Die sechstgrößte Volkswirtschaft, in der gerade die Hersteller von teuren Oberklasse-Autos das große Geschäft wittern. Wären da nicht die großen Importzölle, die die brasilianische Regierung auf luxuriöse Importwaren wie Premiumwagen erhebt. Zölle, die einen Großteil des Gewinns eines Autoherstellers wieder abschöpfen. Von einem 'massiven Hemmnis, das den Marktzugang erschwert', spricht man beim Verband VDA.

Ein von der dortigen Regierung durchaus kalkulierter Weg, dies zu umgehen: Konzerne wie BMW müssen ihre Autos vor Ort produzieren, statt sie ins Land zu bringen. Lange hatten die Münchner mit den Behörden in Sao Paulo über Details des Standorts verhandelt, jetzt steht eine Lösung kurz bevor.

Schon an diesem Montag könnte der Hersteller nach SZ-Informationen den Bau seiner ersten Fabrik in dem südamerikanischen Land bekannt geben. Für das Unternehmen, das im Münchner Westen begann, seine Autos in Dingolfing und Regensburg schraubt und Werke in Südafrika, den USA, China und Indien hält, ist dies ein weiterer Schritt auf dem Weg zu einem weltweit produzierenden Konzern. Aus Unternehmenskreisen heißt es, es würden 'mehr als 200 Millionen Euro' in dem Schwellenland investiert, in dem dann an die fünf Modelle gebaut werden sollen - darunter auch eines der Kleinwagenmarke Mini. Im Vergleich zu anderen Werken, etwa des US-Werkes Spartanburg, wo an die 300000 Autos im Jahr produziert werden, wird das Werk in  Brasilien erst einmal überschaubar sein: An die 20000 Autos, so die Planungen der Münchner Strategen, sollen hier demnächst vom Band laufen. Allerdings: Sollte sich der Markt stärker entwickeln, könne man jederzeit die Produktion aufstocken, heißt es im Konzern. Wie das geht, macht der Wolfsburger Rivale Volkswagen schon seit Jahrzehnten vor: In den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts zog es VW an den Zuckerhut, heute baut Europas größter Hersteller dort an die 800000 Fahrzeuge. Auch Fiat, General Motors, Renault und Ford sind traditionell mit Produktionsanlagen in  Brasilien vertreten.

Doch nicht nur die Hersteller treten im Wettbewerb gegeneinander an. Auch die Standorte selbst.

Neben  Brasilien ist vor allem Mexiko ein beliebter Standort für die großen Autokonzerne. Das Land, Mitglied des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (Nafta), ist für die Hersteller ein wichtiger Exporteur für den Verkauf von Autos in die USA. Hier will der Ingolstädter Wettbewerber Audi für rund eine Milliarde Euro ein neues Werk bauen. Geplant ist unter anderem, dort den Nachfolger des Geländewagens Q5 zu bauen. Audi in Mexiko, BMW in  Brasilien - die bayerischen Autorivalen verfolgen sich bei ihrem Weg aus Europa hinaus. Bis nach Südamerika.

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