Freitag, 26. Oktober 2012
Tötet uns alle, dann begrabt uns hier: Guarani-Appell vor Ausweisung
Eine Gruppe
brasilianischer Indianer hat einen dramatischen Aufruf an die Regierung
gerichtet, nachdem sie erfahren haben, dass ihnen die erneute Vertreibung von
ihrem Land droht, auf das sie trotz Gewalt und Tod zurückgekehrt sind.
Die 170 Indianer
gehören den rund 46.000 Guarani in Brasilien an. Sie haben mehrfach brutale
Angriffe erlebt, seit sie auf ein kleines Stück ihres angestammten Landes
zurückgekehrt sind. Das Gebiet der Indianer, bekannt als Pyelito Kuê/
M’barakai, ist momentan von einer Ranch besetzt. Die Indianer werden von den
bewaffneten Männern des Viehzüchters umzingelt und haben nur geringen Zugang zu
Nahrung oder Gesundheitsversorgung.
Vergangenen Monat
hatte ein Richter eine Räumungsanordnung erlassen. Die Guarani erklären in
einem Brief: “Diese Entscheidung ist Teil der historischen Vernichtung der
indigenen Völker Brasiliens. Wir haben die Hoffnung verloren in Würde und ohne
Gewalt auf unserem angestammten Land zu überleben … Wir werden alle bald
sterben.”
“Wir wollen
sterben und direkt hier mit unseren Vorfahren beerdigt werden. Deshalb bitten
wir die Regierung und das Justizsystem, nicht unsere Vertreibung sondern
unseren kollektiven Tod anzuordnen und uns hier zu begraben. Wir fordern ein
für alle Mal unsere Ausrottung anzuordnen und mit Traktoren ein großes Loch für
unsere Körper zu graben.”
“Wir haben
entschieden, alle gemeinsam, hier nicht wegzugehen, tot oder lebendig.”
Seit der
Wiederbesetzung sind bereits vier Guarani dieser Gemeinde gestorben: Zwei durch
Selbstmord und zwei nach einem Überfall durch bewaffnete Männer.
Brasiliens
Behörde für indigene Angelegenheiten FUNAI ist für die Kartierung und
Abgrenzung des Guarani-Landes zuständig und hat erklärt, dass sie daran
arbeitet, die Räumungsanordnung zu widerrufen.
Die lange
Verzögerung der Kartierung hat dazu geführt, dass Tausende Guarani in
überfüllten Reservaten und Lagern am Straßenrand leben und schlechten Zugang zu
Nahrung, sauberem Wasser und Gesundheitsversorgung haben. Sie leiden unter
einer der höchsten Selbstmordraten der Welt: Neue Statistiken der Regierung
zeigen, dass in den letzten zehn Jahren im Durchschnitt ein Guarani pro Woche
Selbstmord begangen hat.
Guarani-Anthropologe
Tonico Benites erklärte: “Die Selbstmorde der Guarani nehmen zu und sind eine
Folge der Verzögerung der Kartierung und Abgrenzung ihres angestammten Landes.”
Survival fordert
dringend die Kartierung aller Guarani-Gebiete und dass ihnen erlaubt wird, auf
ihrem Land zu bleiben, bevor mehr Menschen ums Leben kommen.
Survival
Internationals Direktor Stephen Corry sagte heute: “Das Aussterben der
indigenen Bevölkerung Brasiliens ist ein Schandfleck in der Geschichte des
Landes. Es ist bedauerlich, dass ähnliche Grausamkeiten und Misshandlungen, die
während der Kolonialzeit üblich waren, heute noch vom brasilianischen
Rechtssystem unterstützt werden. Das herzzeireßende Appell der Guarani aus
Pyelito könnte nicht deutlicher sein: Es lohnt sich nicht, ein Leben ohne ihr
Land zu führen, weil es zu sehr von Elend und Leid geprägt ist. Brasilien muss
handeln, bevor es zulässt, dass ein weiteres seiner indigenen Völker vernichtet
wird.”
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- Mein Name ist Leif, ich bin 31 Jahre alt und wegen beruflicher als auch privater Interessen sehr brasilienverbunden. Ich möchte Euch mit meinem Blog Brasilien näherbringen und Infos aus den verschiedensten Bereichen zusammentragen! Abração
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