Montag, 14. Februar 2011
Verlust in Brasilien bremst Thyssen-Krupp
An den neuen Stahlstandorten in Amerika zeichnen sich zwar höhere Anlaufverluste als bisher erwartet ab. Aber der Vorstand von Thyssen-Krupp gibt sich zuversichtlich, dass der Stahl- und Technologiekonzern im gesamten Geschäftsjahr 2010/2011 (30. September) die auf der Hauptversammlung prognostizierten rund zwei Milliarden Euro Ergebnis vor Zinsen und Steuern schaffen wird. Schmerzliche 378 Millionen Euro Verlust hat der neue Unternehmensbereich Steel America in den ersten drei Monaten eingefahren, wie dem Quartalsbericht zu entnehmen ist. Weil die Verlustquelle in der brasilianischen Stahlhütte noch nicht geschlossen ist, dürfte der bisher im mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich prognostizierte Verlust wohl noch etwas größer ausfallen, räumt das Unternehmen ein. Jedoch beschleunigt sich der Aufschwung in allen anderen Geschäftsfeldern, die im Berichtszeitraum allesamt einen positiven Ergebnisbeitrag geleistet haben. "Wir registrieren eine erfreuliche konjunkturelle Belebung mit einer sehr dynamischen Preis- und Mengenentwicklung im Werkstoff- und Komponentengeschäft", erklärt der neue Vorstandsvorsitzende Heinrich Hiesinger.
Nachdem im vorigen Geschäftsjahr die Verbesserung des operativen Ergebnisses um zwei Milliarden Euro überwiegend durch Kosteneinsparungen geschafft wurde, können die Konzerngesellschaften ihre Margen nun auch am Markt über die Preise ausweiten. Am stärksten sind die Verbesserungen bei Stahl Europa, Komponenten und Marine, wo die Ebit-Margen weit über dem Wert des vergangenen Geschäftsjahres liegen. In der Edelstahlsparte sind das Ebit (7 Millionen Euro) und die Marge (0,4 Prozent) zwar bescheiden, aber nach 57 Millionen Euro Verlust im Vorjahr immerhin positiv. Im ersten Geschäftsquartal sind Auftragseingang und Umsatz um jeweils mehr als 20 Prozent hochgeschnellt. Weit über diesem Konzernwert hat Stahl Europa die Erlöse um 30 Prozent auf knapp 3 Milliarden Euro gesteigert. Das operative Ergebnis liegt mit 399 Millionen Euro erheblich über allen Quartalswerten des vorangegangenen Jahres.
Während im Konzern das operative Ergebnis "nur" 6 Prozent auf 645 Millionen Euro abnahm, fiel der Rückgang beim betrieblichen Ergebnis auf 254 (329) Millionen und erst recht beim Ergebnis vor Steuern auf 145 (313) Millionen Euro wesentlich stärker aus. Wichtige Einflussfaktoren waren ein im Vergleichszeitraum angefallener Gewinn aus Unternehmensverkäufen (93 Millionen Euro) und ein um 90 Millionen auf negative 109 Millionen Euro verschlechtertes Finanzergebnis. Die Anlaufprobleme in Brasilien und der durch das wachsende Geschäft steigende Betriebsmittelbedarf - nicht zuletzt die deutlich verteuerten Rohstoffe - haben die Nettofinanzschulden erheblich nach oben gedrückt.
Sie haben sich binnen Jahresfrist mehr als verdoppelt und allein im ersten Quartal um gut 2 Milliarden Euro zugenommen. "Die Reduzierung der Nettofinanzverschuldung hat für uns höchste Priorität", sagte Hiesinger. Er kündigte an, die eingeleitete strukturelle Verbesserung im laufenden Geschäftsjahr konsequent fortzusetzen: "Hierzu gehören weitere Maßnahmen für nachhaltige Kostensenkungen, gezielte Anpassungen des Portfolios, aber auch ein verbessertes Management unserer Vorratsbestände."
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