Mittwoch, 9. Februar 2011
Währungskrieg: Front gegen China
Timothy Geithner in heikler Mission: Der US-Finanzminister wirbt bei Brasiliens Präsidentin Dilma Rousseff für eine gemeinsame Strategie gegen die Währungspolitik Chinas.
Der Stein des Anstoßes ist Chinas Währung Renminbi: Für die USA ist die aus ihrer Sicht künstlich abgewertete Valuta ein Ärgernis, das sie in ihren bilateralen Beziehungen zum Reich der Mitte immer wieder auf die Tagesordnung setzen - ohne größeren Erfolg.
Als Chinas Staatschef Hu Jintao vor knapp drei Wochen beim Staatsbesuch in Washington weilte, konfrontierte ihn die amerikanische Seite erneut mit der Forderung nach einer Aufwertung des Renminbi - doch Hu beschied nur kühl, dass die Zeit der Dollar-Dominanz vorüber sei.
Von solchen Brüskierungen scheinen die USA die Nase nun voll zu haben - die größte Volkswirtschaft der Welt versucht offenbar einen Verbündeten in ihrem Währungsclinch mit China zu rekrutieren. Aus diesem Grund sei US-Finanzminister Timothy Geithner nach Brasilien gereist, schreibt die Financial Times (FT). Das Reiseziel würde zu dieser Mission passen: Das südamerikanische Land kämpft mit einer Flut billiger Importgüter aus China bei einer gleichzeitigen Aufwertung der Landeswährung Real.
Abwendung von der bisherigen Strategie
Geithner habe Gespräche in der Wirtschaftsmetropole São Paulo und der Hauptstadt Brasilia geführt, um eine gemeinsame Strategie für das Treffen der G-20-Finanzminister und -Notenbankgouverneure Mitte Februar in Paris zu erörtern, schreibt die FT weiter. Ziel von Geithners Besuch sei außerdem gewesen, die geplante Visite von US-Präsident Barack Obama im März vorzubereiten.
"Brasilien erlebt eine Welle von Kapitalimporten", mahnte Geithner in São Paulo. "Diese Zuflüsse wurden durch die Währungspolitik anderer Schwellenländer verstärkt, die durch eine strenge Kontrolle ihrer Währungspolitik, unterbewertete Landeswährungen künstlich aufrecht erhalten.
Ein Schulterschluss der USA mit Brasilien in Bezug auf die chinesische Währung wäre für Brasilia allerdings eine Abwendung von der bisherigen Strategie. Der frühere Präsident Luiz Inácio Lula da Silva verfolgte eine Handelspolitik, die zumindest zum Teil von seiner Vision einer globalen Südallianz der Entwicklungsländer bestimmt war.
Seine pragmatischere Nachfolgerin Dilma Roussef sorgt sich dagegen eher darum, dass Brasilien hauptsächlich Rohstoffe nach China exportiert, während die verarbeitende Industrie des Landes durch den starken Real und billige Importe geschwächt wird. Roussef tritt zudem gegenüber den USA gemäßigter auf als ihr Vorgänger. Der hatte die US-Geldpolitik für die globalen Geldflüsse verantwortlich gemacht, die zu Ungleichgewichten in der Weltwirtschaft geführt hätten.
Gemeinsame Stellungnahme bei Obama-Besuch
Von dieser Haltung wendet sich Brasilien unter Roussef nun aber offenbar ab. Eine Person, die brasilianischen Regierungskreisen nahestehe, habe gesagt, dass Brasilia eine gemeinsame Stellungnahme mit den USA zu globalen Ungleichgewichten in der Weltwirtschaft erwäge, schreibt die FT. Dieses Statement, das auch den unterbewerteten Renminbi thematisiere, solle während Obamas Besuch abgegeben werden.
Sollte den USA dieser außenpolitische Coup gelingen, wäre es ein Etappensieg in der Auseinandersetzung mit China. Denn Brasiliens Stimme wird in ganz Südamerika gehört.
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